Spaß und Sparen


Gelungene Restauration eines Porsche 356 Cabriolets


Ein Auto als Wertanlage? Früher undenkbar, heute beinahe die Regel. Sofern es sich um einen gefragten Klassiker wie den Porsche 356 A handelt. Sauber restauriert und im Originalzustand belassen, steigen die Preise für frühe Porsche beinahe im Halbjahres-Takt. Viele „Anleger“ machen gleichwohl einen unverzeihlichen Fehler. Aus Angst vor zu hohen Kilometerständen und daraus resultierenden Renditeeinbußen fahren Sie ihre Oldies nicht und riskieren so Standschäden. Für den Gelsenkirchener Porsche-Freund Joachim Brauer undenkbar. Sobald die Sonne lacht, ist er mit seinem Gletscher-weißen 1957er Porsche 356 A auf der Straße und strahlt mit dem Sommerhimmel um die Wette…
Wie parke ich mein sauer erspartes Geld am besten? Auf dem Sparbuch, in Aktienfonds oder in Gold? Eine allgemeingültige Antwort auf diese Frage dürfte selbst der Bänker Ihres Vertrauens kaum auf Lager haben. Bei unter einem Prozent für Anlagen auf der hohen Kante – alias Sparkonto – und undurchsichtigen Anlageformen, bei denen am Ende nur die Bank gewinnt, macht es also Sinn, über alternative Anlageformen nachzudenken. Wie wäre es beispielsweise mit einem alten Sportwagen. Auf diese Weise verleiht man dem Credo „Geld parken“ doch direkt mehr Tiefe…
Aber Spaß beiseite. Wer einen ausgedehnten Rundgang auf der alljährlich im Frühjahr ausgerichteten Messe „Techno Classica“ in Essen unternimmt, stellt schnell fest: Manch altes Auto hat in den letzten Jahren mehr an Wert zugelegt als viele Aktien. Kein Wunder also, dass viele gut situierte Autoliebhaber von den klassischen Anlageformen abweichen und sich einen Oldtimer zulegen. Dabei ist es egal, ob ein Stern, ein springender italienischer Hengst oder das Stuttgarter Stadtwappen auf der Motorhaube kleben. Erlaubt ist, was gefällt und vor allem, was selten und ausgefallen ist.
„Der Kauf eines Oldtimers bietet weit mehr als eine gute Rendite“, weiß Joachim Brauer. „Er bereitet auch noch Spaß. Zumindest dann, wenn man ihn artgerecht hält“. Die Anspielung des Unternehmers aus Gelsenkirchen ist begründet. Sie zielt auf die Unmengen vermeintlicher Autoliebhaber ab, die den Markt klassischer Autos aus Gründen der Gewinnerzielung leer kaufen und so die Preise weiter in die Höhe treiben. „Aus einem einfachen Grund“, ergänzt Joachim. „Viele haben eigentlich überhaupt keine Ahnung von alten Autos. Daher zahlen sie jeden Preis, ganz gleich, ob gerechtfertigt oder nicht. Derartige Benchmarks verwässern im Grunde genommen die realen Preise. Darauf wollte ich aber eigentlich gar nicht hinaus. Das Schlimmste daran ist die Tatsache, dass sich die alten Schätzchen anschließend die Räder eckig stehen. Aus Angst davor, dass jeder Extra-Kilometer die Rendite zunichte macht“.
So hart die Anschuldigungen klingen, Joachim Breuer hat vollkommen Recht. Ein Grund mehr für den Gelsenkirchener, es besser zu machen. In seiner Garage stehen ebenfalls mehrere hochwertige Klassiker unterschiedlicher Generationen. Darunter zwei Elfer der Kult-Generation 964 und ein traumhafter Porsche 356-A im Farbton Gletscherweiß. „Ein phantastisches Auto“, schwärmt auch Joachim von seinem Klassiker. „Damit habe ich mir vor rund neun Jahren einen Kindheitstraum erfüllt“.
Die Verbindung zwischen Brauer und seinem Porsche Cabriolet ist in vielerlei Hinsicht besonders. Zum Beispiel weil der Porsche aus dem gleichen Baujahr wie sein Besitzer ist. Beide erblickten im Jahr 1957 das Licht der Welt. Zudem schätzen sowohl Joachim als auch sein Porsche die Sonnenseiten des Lebens. Was nicht verwundert, da der Porsche als Cabriolet vom Band gerollt ist. „Leider rollte er beim Kauf nicht mehr ganz so rund wie damals“, wirft Brauer mit einem Augenzwinkern ein. „Als ich ihn 2006 übernommen habe, war der Zustand maximal drei bis vier. Es gab also einiges zu tun, um den 356er wieder auf Vordermann zu bringen“.
Bedenken angesichts der Realisierbarkeit einer umfangreichen Restauration hatte Joachim erwartungsgemäß nicht. „Der 356 A war nicht mein erstes Projekt“, begründet Brauer. „Das vereinfachte die Sache ungemein“. Ein Spaziergang war die Frischzellenkur für den Porsche gleichwohl nicht. Die Karosserie des betagten Sportwagens ist umfassend gesäubert, von Roststellen und den Spuren der Vergangenheit befreit und anschließend im ursprünglichen Farbton neu lackiert worden. Gleiches gilt für das Verdeck und die Innenausstattung des 356. Auch hier sind die Werkstoffe von einst eingesetzt worden, um den Porsche auf einen neuwertigen Zustand zu bringen.
„Nichts übertreiben“, lacht Joachim Brauer angesichts der Lobesrede auf sein Werk. „Der Dreisechsundfünfzig ist restauriert, aber nicht überrestauriert worden. Alles sollte so original wie möglich bleiben“. Ein Blick auf den fertigen Klassiker belegt, was Brauer meint. Der Porsche ist nicht klinisch, aber rein geworden. Unter der Motorhaube im Heck arbeitet der grundsanierte 4-Zylinder-Boxer mit 1.600 Kubik Hubraum, zwei Solex-Fallstromvergasern und 60 PS. Geschaltet wird mit dem werksseitig verbauten 4-Gang-Schaltgetriebe mit Porsche-Ringsynchronisierung und Knüppelschaltung. Die Verzögerung übernehmen vier aufgefrischte Trommelbremsen.
Zu den edelsten Details des neu aufgebauten Cabrios zählt selbstredend auch der umfangreiche Chrom-Zierrat. Ob Stoßstangen, Scheibenrahmen, Spiegel oder verchromte 5,5 Zoll-Stahlfelgen rundum. Jedes der galvanisierten Teile des 356 A-Cabriolets glänzt, als ob der Porsche frisch aus dem Verkaufsraum gerollt wäre. „Das liegt nur am strahlenden Sonnenschein heute“, scherzt Joachim Brauer. „So ein Wetter mögen wir für unsere ausgedehnten Ausfahrten am liebsten. Da dürfen es auch gerne mal ein paar Kilometer mehr auf der Landstraße sein. Sie tun dem Werterhalt keinen Abbruch. Aber sie sind Balsam für die Seele…“. Wer kann angesichts jener positiven Einstellung zum Leben und zum Oldtimer noch behaupten, dass Spaß und Sparen nicht Hand in Hand gehen können…



Tech Facts
Marke: Porsche
Typ: 356A-Cabriolet
Baujahr: 1957
Karosserie: Cabriolet
Karosseriebauweise: Kastenrahmen aus Stahlblech, mit Bodengruppe fest verbunden, 2 Türen
Werkslackierung: Gletscherweiß
Motor: 4-Zylinder-Boxer, Luftkühlung
Hubraum: 1.582 ccm
Bohrung: 82,5 mm
Hub: 74 mm
Verdichtung: 7,5 : 1
Ventilsteuerung: 2 Ventile pro Zylinder, Antrieb über Stoßstangen und Kipphebel, eine zentrale Nockenwelle
Gemischaufbereitung: 2 Fallstromvergaser Solex 32
Abgasanlage: Serie
Leistung: 60 PS
Antrieb: 4-Gang-Getriebe mit Porsche-Ringsynchronisierung, Knüppelschaltung, Heckantrieb
Vorderachse: Kurbellenkerachse, 2 durchgehende Vierkant-Blattfederstäbe (übereinander angeordnet)
Hinterachse: Pendelachse mit Längsschubstreben, 1 runder, querliegender Drehstab pro Seite
Bremsanlage: Trommelbremsen rundum
Räder: 5,5 Zoll Stahlfelgen, verchromt
Reifen: 5.90-15 Supersport rundum
Interieur: Schwarze Leder-Ausstattung
Leergewicht: 850 kg
Beschleunigung 0-100 km/h: 16,5 s.
Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h

Von: Text: Marc Timmer, Fotos: Dominique Fourcade

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