Ein Projekt für die Ewigkeit


1990er Corrado

Einen Scirocco 1 hatte er bereits. Da lag es auf der Hand, dass sich Christoph Wenzel auch noch einen Corrado kaufte. Der Konstrukteur in der Automobilindustrie machte daraus ein Dauerprojekt. 2001 kaufte er den Corrado aus dem Baujahr 1990 für 7.800 Mark. „Damals war der 1,8-Liter-Motor mit dem G60-Lader verbaut“, erinnert sich der VW-Fan aus Blankenburg. Das Fahrzeug kam aus zweiter Hand, trug damals die Originalfarbe Blau und entsprach im Zustand etwa der Note 3. „Der Corrado hatte vom Vorbesitzer bereits einen Felgen- und Fahrwerksumbau hinter sich, was den unbearbeiteten Radlaufkanten aber nicht sonderlich gut getan hat“, erläutert Christoph.

Dafür hatte er allerdings einen überholten G-Lader. Die Kosten des folgenden Auf- und Umbaus will Christoph lieber nicht beziffern. „Das will ich nicht wirklich wissen und rechne deswegen auch nicht nach“, betont er. Jedenfalls zog sich das Projekt vom Kauf bis heute in mehreren Etappen hin. „Ich habe in dem Auto inzwischen das dritte Motorprojekt verwirklicht“, erklärt er. Zwischen 2001 und 2003 war der 1,8-Liter-8V-Motor mit G60-Lader verbaut, zwischen 2004 und 2013 ein 1,9-Liter-16V-Motor mit G60-Lader und seit 2013 ein 3,2-Liter-V6-24V-Triebwerk mit Turbolader.

Als Basis diente der 2,8-Liter-Motorblock aus einem Golf 4 mit den Motorkennbuchstaben AQP. Er wurde von einem Bekannten von 81 auf 84 Millimeter Kolbenmaß aufgebohrt und neu gehont. Verbaut wurden eine erleichterte Kurbelwelle aus dem R32, Scat-H-Schaft-Stahlpleuel und Schmiedekolben. Die Verstellung der serienmäßigen Nockenwelle wurde bearbeitet, die Brennräume der Zylinderköpfe wurden bearbeitet und die Sekundärluftkanäle verschlossen. Als Ventile wurden Inconel-Ventile montiert. Die Verdichtung des Motors beträgt 8,5 : 1. Als Turbolader ist ein Garret GT35 HF verbaut. Die Zündung ist frei programmierbar. „Die Einspritzung steuert eine frei programmierbare Motronic, mit der ich zum einen auf jeder Veränderung am Motor reagieren kann und zum anderen noch selbst über die Art der Lastbestimmung entscheiden kann“, stellt Christoph klar.

Die komplette Ladeluftführung in 76 Millimeter Durchmesser baute der VW-Fan selbst, ebenso den Ansaugbogen in 100 Millimeter Durchmesser. Natürlich passte Christoph das Fahrwerk und die Bremsen der enormen Mehrleistung an. Die Vorderachse stammt vom VR6 mit PU-Lagerung, ebenso die Hinterachse. Außerdem sind vorne und hinten ein Gewindefahrwerk von FK Königsport verbaut sowie härteverstellbare Koni-Stoßdämpfer. Die Tieferlegung beträgt 80 Millimeter. Die Vorderbremse ist mit Brembo-4-Kolben-Sätteln und 305 Millimeter großen Bremsscheiben optimiert, die hintere Bremse stammt vom VR6.

Christoph nahm sich auch die Karosserie vor. Die Motorhaube und die Kotflügel wurden drei Zentimeter in Blech über die Scheinwerfer verlängert, die Kotflügel um 3,5 Zentimeter verbreitert. Die hinteren Radhäuser wurden um fünf Zentimeter verbreitert und die Innenradhäuser für 18 Zoll große Alufelgen erweitert. Die Türen erhielten Audi-A6-Klinken. Die Heckklappe wurde für die um 20 Prozent eingekürzten Rückleuchten nach unten verlängert. Außerdem wurde die Kennzeichenmulde gecleant und der Heckscheibenwischer entfernt. Alle Stoßleisten wurden demontiert und alle Hersteller- und Typbezeichnungen entfernt. Auch der Motorraum wurde aufwändig gecleant, die Domabstützung geändert, die Spritzwand entfernt und die Längsträger geglättet.

Nach Abschluss aller Schweißarbeiten wurde der Corrado im Farbton Red-to-Green lackiert, der Motorraum wurde passend zur Innenausstattung in Beige lackiert. Vorne montierte Christoph Hella-Scheinwerfer vom Golf 2 Rallye in Verbindung mit einem Eigenbau-Grill und Schlossträger. Die serienmäßige Corrado-Stoßstange wurde gecleant und um einen RS-Ansatz in Kunststoff erweitert. Die originalen, großen Blinker und Nebelscheinwerfer wurden durch Blinker vom Golf 2 GL ersetzt. Die hintere Stoßstange wurde mit Hilfe eines zweiten Corrado-Exemplars in Kunststoff verlängert und passend zu den Radläufen verbreitert, außerdem wurde eine Kennzeichenaussparung eingearbeitet. Am Heck kürzte Christoph die Rückleuchten symmetrisch um 20 Prozent und musste anschließend die komplette Lampeneinfassung umarbeiten.

Im Innenraum versah Christoph das Armaturenbrett mit Facelift-Elementen und ließ es anschließend komplett mit Leder beziehen. Alle Kunststoffeinsätze wurden zudem mit echtem Carbon überzogen. Der VW-Liebhaber montierte ein Raid-Sportlenkrad, einen VR6-Tacho sowie versteckte Zusatzinstrumente für Ladedruck, Abgastemperatur und AFR/Lambda-Werte. Fahrer und Beifahrer sitzen auf Recaro-Sitzen, die serienmäßigen Rücksitze wurden mit perforierten Sitzinnenbahnen neu beledert. Der original beige Teppich stammt aus einem US-Corrado, die Color-Verglasung aus einem VR6-Corrado. Der Dachhimmel ist mit beigem Alcantara bezogen.

Was Christoph an seinem Corrado am besten gefällt? „Das ist eindeutig der Motor. Seit der drin ist, bleibt der CD-Player meist leer und das Autoradio aus“, bekennt er. Auf dem Tacho stehen inzwischen 51.000 Kilometer – was immer das heißen mag. Christoph selbst legt jährlich nur knapp 4.000 Kilometer zurück und freut sich, dass sein Corrado bei VW-Treffen so gut ankommt. „Ich bin sehr zufrieden mit diesem Projekt, auch wenn es lange gedauert hat und in mehreren Etappen erfolgte“, sagt er lächelnd. Wenn der Motor satt brummelt, dann ist er so richtig zufrieden.
                                                                                                                                

Scene Facts:

Typ: Corrado
Baujahr: 1990
Motor: Sechszylinder-24V Turbo (AQP), 3,2 Liter, erleichterte Kurbelwelle vom R32, Scat-H-Schaft-Stahlpleuel, 84 mm JE Schmiedekolben, Serien-Nockenwelle mit bearbeiteter Verstellung, Zylinderköpfe vom AQP-Motor mit bearbeiteten Brennräumen und verschlossenen Sekundärluftkanälen, Inconel-Ventile, Garret GT 35 HF Lader, frei programmierbare Zündung, frei programmierbare Motronic, Mocal Ölkühlanlage, verstärkte R32-Ölpumpe, Benzinpumpe G60 als Vorförderpumpe und große Pierburg-Pumpe mit Catchtank als Hauptpumpe, erleichtertes Stahlschwungrad,
Auspuff: Edelstahl-Abgasanlage in 76 mm ab Turbolader mit ovalem Endrohr
Getriebe: 5-Gang-Schaltgetriebe 02A, organische Sachs-Motorsportkupplung mit verstärkter Druckplatte, Frontantrieb
Fahrwerk: VR6 mit PU-Lagerung vorne u. hinten, Gewindefahrwerk Königsport, Koni-Stoßdämpfer, Stabilisatoren vorne u. hinten vom VR6, Domstreben vorne u. hinten, Tieferlegung um 80 mm
Bremsanlage: Bremsscheiben 305 mm mit 4-Kolben-Sätteln Brembo vorne, vom VR6 hinten
Felgen: Gemballa EtaBeta Turbo in 9 J x 18 Zoll vorne u. 9,5 J x 18 Zoll hinten
Reifen: Hankook 225/35-18 vorne u. hinten
Karosserie: Motorhaube und Kotflügel in Blech 3 cm über die Scheinwerfer verlängert, Kotflügel pro Seite um 3,5 cm verbreitert, Radhäuser hinten pro Seite um 5 cm verbreitert und Innenradhäuser erweitert, Türgriff-Update auf Audi A6-Klinken, Heckklappe wegen um 20 Prozent eingekürzter Rückleuchten nach unten verlängert, Kennzeichenaussparung gecleant und Heckwischer entfernt, alle Stoßleisten demontiert und alle Hersteller-/Typbezeichnungen entfernt, Motorraum gecleant (Domabstützung, Spritzwand entfernt, Längsträger geglättet), Hella-Scheinwerfer vom Golf 2 Rallye mit Eigenbau-Grill und Schlossträger, Stoßstange gecleant mit RS-Ansatz in Kunststoff, Blinker und Nebelscheinwerfer vom Golf 2 GL, hintere Stoßstange in Kunststoff verlängert und zu den Radläufen verbreitert, Kennzeichenaussparung eingearbeitet, Rückleuchten symmetrisch um 20 Prozent gekürzt, Lampenfassungen umgearbeitet
Interieur: Armaturenbrett mit Facelift-Elementen komplett mit Leder bezogen, alle Kunststoffeinsätze mit echtem Carbon überzogen, Raid-Lenkrad, VR6-Tacho und versteckte Zusatzinstrumente für Ladedruck, Abgastemperatur und AFR/Lambda-Werte, Recaro-Sitze, hintere Serien-Sitze neu beledert, Teppich original beige aus US-Corrado, Himmel aus beigem Alcantara, sonderangefertigte Schroth-Sicherheitsgurte in Beige ohne Herstellerlogo
HiFi: Autoradio Alpine, Verstärker Hifonics, Boxen Focal

Von: Text: Thomas Borowski, Fotos: J.C. Photography

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