Aller guten Dinge sind drei!


Jubel ums Jubi-Modell – 1987er 911 Carrera 3.2


Manchmal lohnt es sich, etwas länger auf die Erfüllung eines lang gehegten Wunsches zu warten. Markus Hebgen musste sich beispielsweise bis kurz vor seinem 50. Geburtstag gedulden, ehe er die Schlüssel für seinen ersten Porsche 911 übernehmen konnte. Seine Belohnung: eines der seltenen Porsche-911-Jubiläumsmodelle anlässlich des Verkaufs von 250.000 Elfern im Jahr 1987. Markus entdeckte sein Exemplar vor sechs Jahren und legte damit den Grundstein für eine kleine, aber feine Porsche-Kollektion.
Bei Porsche verstanden sie sich schon immer darauf, die Feste zu feiern, wie sie fallen. Ob Jubiläen oder erreichte Absatzziele: Seit Mitte der 1970er-Jahre legen die Zuffenhausener Sonderserien auf, um sich bei ihren Kunden mit teils üppig und immer außergewöhnlich ausgestatteten Sondermodellen zu bedanken. Eines der begehrtesten und heute am seltensten vertretenen Editionsmodelle stammt aus dem Jahr 1987. Anlässlich der Feierlichkeiten zum Verkauf des 250.000sten Porsche 911 legte Porsche zum Modelljahr 1988 (ab 01. August 1987) das Sondermodell „250.000 Porsche 911 – Jubiläums-Sondermodell 1987“ auf.
Die Sonderserie ist auf insgesamt 875 Einheiten limitiert worden. Zu den Erkennungsmerkmalen des als Coupé, Targa und Cabrio angebotenen G-Modells zählen dessen Sonderlackierung im Farbton Diamantblau-metallic (Lacknummer F5F5), 15-Zoll-Füchse (7 und 8 x 15 Zoll) mit Felgenstern in Wagenfarbe und silberblaue Raffledersitze. Auf den Kopfstützen der vorderen Sportsitze ist außerdem die Unterschrift von Firmenchef Ferry Porsche aufgestickt worden. Ferner ist ein silbergrau eingefärbter Langflorteppich im Innen- sowie im Kofferraum des Sondermodells verlegt worden. Und es geht noch weiter. Der üppig ausstaffierte Elfer erhielt überdies eine Schaltwegverkürzung sowie ein elektrisches Schiebedach für das Coupé und eine Motorhaube ohne Carrera-Schriftzug. In puncto Antrieb konnten die Porsche-Kunden 1987 zwischen den Alternativen „Motor mit Kat“ oder „Motor ohne Kat“ wählen; heute eine undenkbare Option. In Abhängigkeit davon, ob der Boxermotor mit oder ohne Abgasreiniger geordert wurdet, standen dem Elfer-Piloten entweder 231 PS (ohne Kat) oder 217 PS (mit Kat) zur Verfügung.
Dieser Tage eines der der raren Sondermodelle in freier Wildbahn anzutreffen, ist erwartungsgemäß eher unwahrscheinlich. Von den 875 gebauten Editionsfahrzeugen sind nur 250 nach Deutschland ausgeliefert worden. Insgesamt 300 Elfer (120 Coupés, 80 Targas und 100 Cabrios) gingen in die USA, während 325 Autos in die „Rest-der-Welt-Länder“ verschickt wurden. Die übrigen fünfzig Porsche 911 sind schließlich als Rechtslenker nach Großbritannien verschifft worden. Angesichts der geringen Stückzahl der in Deutschland ausgelieferten Jubi-Elfer hat sich das Redaktionsteam der „Porsche Scene“ umso mehr gefreut, eines der seltenen 250.000er-Sondermodelle im Rahmen des diesjährigen Open-Flair-Vestivals auf dem Gelände der Zeche Ewald in Herten begrüßen zu dürfen. Am Volant: Markus Hebgen.
Markus ist seit 2010 der stolze Eigentümer des rundum originalen G-Modells, wenngleich er laut eigener Aussage ursprünglich gar nicht nach einem Jubi-Elfer gesucht hatte. „Das ist richtig“, bestätigt Markus: „Damals hatte ich generell nach einem Elfer der G- oder der 964-Baureihe Ausschau gehalten. Nach etlichen Besichtigungen musste ich allerdings feststellen, dass mein ursprünglich festgesetztes Budget keine Aussicht auf Erfolg versprach. Die meisten besichtigten Autos waren Müll und flogen schon bei der ersten Begutachtung aus der engeren Wahl. Das führte dazu, dass ich mein Budget noch einmal deutlich aufstockte. Et voilà, wenig später hatte ich meinen Traum-Porsche gefunden.“
Und das beinahe vor der Haustür: „Nachdem ich mir – gemeinsam mit meiner Freundin Petra – mehrere Elfer angesehen hatte, entdeckte ich zwei Porsche 911. Ein 964 Coupé, welches in München stand, und ein G-Modell, das bei einem Händler im nahegelegenen Mülheim-Kärlich stand. Als ich Petra von den beiden Angeboten berichtete, meinte sie nur, dass ich mir lieber den Elfer im nahegelegenen Mülheim als den in München ansehen sollte. Schließlich würde die weite Fahrerei in der Regel eh nur in gefrusteter Kilometerverschwendung enden, da die Angebote nicht hielten, was sie versprachen…“
Petras Ratschlag sollte sich als goldrichtig erweisen. Nachdem Markus Kontakt mit dem Verkäufer des 1987er 911 Coupés aufgenommen und sich von dessen Glaubwürdigkeit überzeugt hatte, beschloss er, Nägel mit Köpfen zu machen. In einer seiner Mittagspausen setzte er sich ins Auto und fuhr zum Verkäufer nach Mülheim-Kärlich. „Ein verhängnisvoller Besuch“, lacht Markus. „Nach meinem mittäglichen Besuch bin ich wieder zur Arbeit gefahren. Dort ging mir der Porsche den ganzen Tag nicht mehr aus dem Kopf. Mit rund 160.000 Kilometern auf dem Tacho, zwei nachweislichen Vorbesitzern und einer sauberen Historie erschien mir der 911 als perfekter Deal, zumal der Preis erstaunlich fair war. In mehr oder minder blauäugiger Manier habe ich mich dann nach Feierabend wieder ins Auto gesetzt, bin zum Händler gefahren und habe den Porsche gekauft.“
Kurz vor seinem 50. Geburtstag hatte sich Markus damit einen lang gehegten Traum erfüllt. „Vom eigenen Porsche habe ich schon als kleiner Junge geschwärmt“, blickt Hebgen zurück. „Als ich neun Jahre alt war, hatte jemand bei uns im Dorf ein vipergrünes Porsche 911 Coupé mit 2.4er Motor, Fuchsfelgen und Sportsitzen mit Pepita-Bezügen. Dieses Bild hat sich in meinem Kopf festgesetzt und mich dazu angetrieben, irgendwann selbst ein derart tolles Auto mein Eigen zu nennen. Mit knapp 50 konnte ich endlich einen Haken hinter diesen Aspekt meiner gedankliche To-do-Liste machen.“
Mittlerweile zeigt der Kilometerzähler von Markus´ Traumwagen 190.000 Kilometer an. Ein gutes Zeichen, denn: Sein Porsche steht sich in der Garage nicht die Räder platt. Er darf am aktiven Leben teilhaben. „Dafür habe ich ihn schließlich gekauft“, begründet Markus. „Um ihn nur in die Ecke zu stellen, wäre er doch viel zu schade. Wobei ich gestehen muss, dass ich ihn in den letzten Monaten bezüglich der Fahrleistung ein wenig vernachlässigt habe.“ Als Grund hierfür führt er „doppelten Familienzuwachs“ in der Garage an. Nachdem er durch das G-Modell auf den Geschmack gekommen war, legte er 2014 direkt doppelt nach. Zum einen in Form eines äußerst gut erhaltenen 993 Carrera 2 mit weniger als 100.000 Kilometern auf der Uhr. Demgegenüber steht eine deutlich unsportlichere, aber nicht minder charismatische Porsche-Variante. „Es handelt sich um einen Porsche Junior Diesel-Traktor der 1950er-Jahre“, verrät Markus. „Er ist das Opfer einer Sammlungsverschlankung eines Freundes. So sind aus einem Porsche auf einen Schlag drei geworden. Zum Glück zieht meine Freundin Petra bei derartigen Aktionen stets mit, wofür ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bei ihr bedanken möchte! Ohne einen Partner mit Verständnis für Hobbys wie diese funktioniert es nicht – oder macht zumindest nur halb so viel Spaß. Da fällt mir ein: Ich würde mich gerne auch recht herzlich bei Michael Sturmens von der Freiwilligen Feuerwehr Lahnstein, Wache Nord, bedanken. Ohne ihn hätten wir die tolle Foto-Location wohl kaum zur Verfügung gestellt bekommen!“



Tech Facts
Marke: Porsche
Typ: 911 (G-Modell)
Baujahr: 1987
Karosserie: Coupé
Karosseriebauweise: selbsttragend, beidseitig feuerverzinktes Stahlblech, zwei Türen, Entfall des Carrera-Schriftzuges auf der Motorhaube
Werkslackierung: Diamantblau-metallic (F5F5)
Motor: B6-Zylinder (M930/20), luftgekühlt, Aluminium-Kurbelgehäuse, Trockensumpfschmierung, thermostatisch geregelte Ölkühlung
Hubraum: 3.164 ccm
Bohrung: 95 mm
Hub: 74,4 mm
Verdichtung: 10,3:1
Ventilsteuerung: zwei Ventile pro Zylinder, eine obenliegende Nockenwelle je Zylinderbank, Antrieb über Steuerkette
Gemischaufbereitung: elektronisch
Abgasanlage: Serie (ohne Katalysator)
Leistung: 231 PS
Antrieb: Hinterradantrieb, 5-Gang-Schaltgetriebe (G50/00), Schaltwegverkürzung
Vorderachse: Einzelradaufhängung an Querlenkern und Dämpferbeinen, längsliegende Torsionsfederstäbe, Stabilisator
Hinterachse: Einzelradaufhängung an Schräglenkern, querliegende Torsionsfederstäbe, Stabilisator
Bremsanlage: hydraulisch betätigtes Zweikreissystem, innenbelüftete Stahlbremsscheiben vorne und hinten
Räder: Fuchs-Schmiederäder 7 und 8 x 15 Zoll, Felgenstern in Wagenfarbe lackiert
Reifen: Pirelli P6000 in 195/65- und 215/60-R15
Interieur: Ausstattung „Sondermodell 250.000 Porsche 911“, elektrisch einstellbare und beheizbare Außenspiegel, elektrische Sitzhöhenverstellung, Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber, Lederausstattung in „Silberblau-metallic“, Ferry-Porsche-Signatur auf den Kopfstützen eingestickt, Raffledersitze, Innenraum und Kofferraum mit silberblauem Samtveloursteppich, Jubiläumsplakette auf dem Deckel des Handschuhfachs, Lenkrad und Schalthebel mit Leder in Silberblau-metallic bezogen
Hifi: Radio Blaupunkt Bremen SQR 46
Leergewicht: 1.210 kg
Beschleunigung 0-100 km/h: 6,1 sec.
Höchstgeschwindigkeit: 245 km/h
Neupreis 1987: 87.950 DM

Von: Text: Marc Timmer, Fotos: Dominique Fourcade

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