31.1.2010: kontrollierte Freude

Daytona 2010, Team Action Express Riley Porsche V8

Fotos: Porsche AG, PORSCHE SCENE Newsroom

Daytona 2010, Team Action Express Riley Porsche V8

Daytona 2010, Team Action Express Riley Porsche V8

Daytona 2010, Team Action Express Riley Porsche V8

Daytona 2010, Team Action Express Riley Porsche V8

Daytona 2010, Team Action Express Riley Porsche V8

Daytona 2010, Team Action Express Riley Porsche V8

(31.01.2010) Zum zweiten Mal hintereinander gewann ein Riley-Chassis mit Porsche-Antrieb das 24-Stunden-Rennen von Daytona, dem Auftakt der US-amerikanischen GrandAm-Series. Anders als noch im vergangenen Jahr triumphierte aber nicht der vom Werk favorisierte Brumos-Riley mit dem Sechszylinder-Boxer aus dem 911, sondern ein halboffizielles Schwesterfahrzeug. Im Heck des siegreichen Riley-Fahrgestells befand sich jener vom Porsche Cayenne abgeleitete Achtzylinder-Treibsatz, den der texanische Tuner Lozano Brothers Porting unabhängig vom Werk entwickelte. Nicht nur hinter diesem Projekt stehen die Nachkommen des einflussreichen NASCAR-Gründers Bill France. Auch GrandAm selbst und das während des Winters aus der Infrastruktur von Brumos Racing heraus formierte Siegerteam Action Express Racing stehen unter dem Einfluss des France-Klans. Dasselbe gilt für eine Truppe namens "Spirit of Daytona Racing", die den Porsche-Achtzylinder seit Mitte 2007 bis zur Rennreife begleitete und ausgerechnet auf ihrer Hausstrecke unterging. Action Express Racing war zur Stelle und bescherte dem V8 bei den 24 Stunden von Daytona 2010 den ersten großen Erfolg. Im Nachhinein stellte sich heraus, wie bedeutend der Anteil des 2007 verstorbenen Brumos-Präsidenten Robert F. "Bob" Snoddgrass an diesem Ereignis war. Er war es, der den Achtzylinder vor vier Jahren in Auftrag gab, nachdem das Porsche-Werk eine entsprechende Anfrage ablehnte.

Die Familie France gehört zu den einflussreichsten Dynastien des US-amerikanischen Autorennsports. Großvater Bill France gründete die populäre NASCAR-Series, Sohn Jim rief GrandAm ins Leben, Enkel J.C. France verfolgte eine Rennfahrerkarriere – selbstverständlich in der GrandAm-Series. Bei Brumos Racing steuerte der 43-Jährige bis zuletzt einen "Daytona Prototype" mit Sechszylinder-Porsche-Motor aus dem 911. Porsche stand dem Traditionsrennstall aus Jacksonville im US-Bundessstaat Florida allein schon aus nostalgischen Gründen nahe. Brumos-Besitzer Peter Gregg war bis zu seinem Selbstmord am 15. Dezember 1980 ein erfolgreicher Rennfahrer gewesen – mehr dazu im Randthema. Seine Porsche Carrera RSR und 935 turbo erreichten Legendenstatus. Sie alle trugen jeweils einen roten und blauen Blockstreifen auf weißen Karosserien zur Schau, während die Startnummer 59 in übergroßen Lettern auf Türen und Fronthaube prangte. Peter Greggs Saubermann-Image – die Amerikaner tauften ihn einst "Peter Perfect" – war 2003 die Steilvorlage für eine neue, kostenoptimierte Rennformel. Die GrandAm-Series hob die "Daytona Prototypes" aus der Taufe. Das Eigengewächs zeichnete sich durch simpel gestrickte Gitterrohrrahmen-Fahrgestelle aus, Großserien-Triebwerke waren für den Antrieb vorgesehen. Brumos Racing – da schließt sich der Kreis – gab als erster Rennstall ein Engagement bei den "Daytona Prototypes" bekannt und veröffentlichte ein Jahr vor der Premiere Entwürfe des späteren Einsatzwagens. GrandAm-Präsident Jim France und Bob Snoddgrass, 2007 verstorbener Brumos-Steuermann, waren die treibenden Kräfte hinter den "Daytona Prototypes".

Brumos beschwor die eigene ruhmreiche Vergangenheit und übernahm die alte Startnummer 59 für den neuen Prototypen. Die Liasion zwischen Brumos und der France-Dynastie gipfelte im Engagement von Jamie C. (J.C.) France als Fahrer. Sieben Jahre saß der Enkel des mächtigen NASCAR-Gründers Bill France im zweiten Brumos-Porsche. Dass die Finanzierung des ansonsten sponsorfreien Wagens von seinem Engagement als (zahlender) Pilot abhing, lag auf der Hand. Brumos-Legenden wie der Rennfahrer Hurley Haywood – inzwischen 62-jährig – assistierten dem heute 43-jährigen J.C. France. Der geriet im Oktober des vergangenen Jahres in die Schlagzeilen, als ihn die Polizei in Daytona bei einem illegalen Straßenrennen stoppte und wegen gefährlichen Fahrens unter Drogeneinfluss und Kokainbesitzes in Haft nahm. 2006 war J.C. France bei einem GrandAm-Lauf in Mexico City schon einmal auffällig geworden, als er seinem Konkurrenten Chris Bingham nach Kollision einen Faustkampf lieferte.
Trotz aller familiären Bande sah sich die NASCAR-Organisation als Träger der GrandAm-Series gezwungen, J.C. France zu suspendieren. Die Glaubwürdigkeit des Imperiums stand auf dem Spiel. Damit war der zweite Brumos-Prototyp aus dem Rennen. Zwar beteuerte Hurley Haywood unter dem Eindruck der Affäre, auch 2010 sei ein zweiter Wagen vorgesehen. Doch im Winter verkündete er seinen endgültigen Rückzug vom aktiven Motorsport, die 24 Stunden von Daytona Ende Januar sollten sein letztes Rennen sein. Erwartungsgemäß verkleinerte sich Brumos Racing auf eine Ein-Wagen-Operation. Teile des Personals behielten trotz der Schrumpfung ihre Jobs. Sie kamen bei Action Express Racing unter, einem kurzfristig installierten Zweigbetrieb unter der Leitung des langjährigen Brumos-Teilhabers Bob Johnson. Zwischen dem verbliebenen Brumos-Prototypen und dem Riley-Chassis von Action Express Racing blieb ein wesentlicher Unterschied bestehen: die Anzahl der Zylinder. Seit Mitte 2007 existierte ein vom Panamera abgeleiteter und für GrandAm homologierter Achtzylinder-Motor, der anstelle des Porsche-Sechszylinders bei Action Express Racing für den Vortrieb sorgte.

Von: Carsten Krome

<< Erste < Vorherige 1 2 3 4 5 Nächste > Letzte >>

Kommentare aus der Community

Du bist nicht angemeldet. Nur angemeldete User können Kommentare schreiben und beantworten.

Zur kostenlosen Registrierung geht´s im Bereich Community.

Bereits registriert? Dann melde dich über das Formular in der linken Spalte an und schreibe Deinen Kommentar!

AUDI SCENEPORSCHE SCENEflash OPEL SCENEVW SCENEEASYRIDERSYOUNGTIMER SCENEHARDWOK