The Rat Kampers



Rollende Rarität: Einer von ungefähr zehn in Deutschland noch existierenden Arcomobil-Umbauten auf Basis des T2.

Auf der Suche nach einem älteren VW Bus entdeckte André Casper ein Arcomobil des gleichnamigen Herstellers. Als „Oldschooler“ und Freund von rattig aufgemachten Fahrzeugen drückte er dem Kamper seinen individuellen Stempel auf. Mit 117 PS ist der bis zum Anschlag tiefergelegte Bus gut unterwegs, zumindest auf ebenen Straßen.

Als ich mit André Caspers Motorbauer Andreas Reis zur Fotolocation über unbefestigte Wege rumpelte, meldete sich hörbar die Vorderachse zu Wort. „Die schlaaaft sich scha noch ei“ bemerkte er lakonisch und unser Gelächter wurde von der vergleichsweise hochwertigen Ausstattung des Arcomobils abgedämpft. Wahrlich ist es ein „grandioses Wohnmobil“. Die Oldtimer Markt hatte den „Arco“ gelobt, dessen hochwertige Ausstattung besser als die des  vergleichbaren Westfalia bewertet wurde. Dem Anbieter „Arcomobil“ einer Handwerker-Cooperative aus Leinfelden (südlich von Stuttgart) attestierte die Auto Motor und Sport im Jahr 1969 ein äußerst stabiles Faltdach, das die Isolationswerte einer 20 cm dicken Ziegelmauer besitzt. In seiner Werbebroschüre betont der Hersteller seine handwerkliche Meisterarbeit, die bis ins letzte Detail mit Liebe und Erfahrung durchdacht ist. „Zeitlos elegant mit Linien moderner Innenarchitektur ....aber ohne jeden Mumpitz und Firlefanz“. Allerdings lagen auch die Preise der Arcomobile über denen der Westfalia-Umbauten.

André ist VWler von Grund auf. „Mein 1991er Golf 2 im Oldschool-Retro-Style war damals seiner Zeit voraus“, erinnert er sich. Dem Zweier folgte ein Vierer Cabrio, das mit US Felgen, Luftfahrwerk und Schlangenleder den Regeln des modernen Szenetunings folgte. Mittlerweile hatten sich in der Oberpfalz Freunde luftgekühlter Fahrzeuge zusammen gefunden. André stieg auf Karmann Ghia um und folgte der Aircooled Connection Oberpfalz, deren FTreffen am Badesee Gleiritsch Kultstatus besitzt.

Irgendwie schwärmt doch jeder „Luftgekühlte“ von einem Bus. Dass André den Arco in „verlebter“ Aufmachung in einem T2-Forum gefunden hat, bezeichnet er als glücklichen Zufall. Über 13 Jahre parkte er unbewegt in einer Mietgarage. Besitzer und Bus bildeten eine optische Einheit und vermittelten den Eindruck, bei Woodstock live dabei gewesen zu sein. Doch das jährliche Reiseziel lag näher: „Jedes Jahr Italien und keinen Winter auf salzigen Straßen, als er noch angemeldet war“. Die Aussagen des damaligen Besitzers unterstreichen der phantastische Zustand des Unterbodens sowie eine Menge von André gefundener Lire. Die lange Standzeit hatte ihre Spuren hinterlassen, deren Beseitigung mit neuen Polstern, Vorhänge und einem Innenraumteppich begann. Freilich gibt es noch zu tun, zum Beispiel an der gebraucht erstandenen Spüler mit praktischer Handpumpe. Bei der Ausstattung im Fahrerbereich ließ André dezente Aufwertung mit EMPI Shifter, VDO Drehzahlmesser in original Optik, sowie VDO-Anzeigen von Öltemperatur und Öldruck einfliesen,

Und nun kommt Andreas Reis wieder ins Spiel, Spezialist für luftgekühlte Fahrzeuge, der zunächst den Arco für Historisches Kennzeichen qualifizierte. Dass André trotzdem mit 07er Oldtimer-Kennzeichen unterwegs ist, begründet er mit mehreren Autos, die er auf einer 07er Nummer bewegen darf. Allerdings ging der übernommene 1,6 Liter Boxermotor mit 47 PS nicht konform mit seinem Wunsch nach Power. Andreas hatte bereits einen fast fertig aufgebauten Typ 1 Boxermotor im Regal, der mittels 90,5 mm Kolben auf knapp 1,8 Liter erhöht wurde. Mit klassischen Tuningmaßnahmen bereitete er die Maschine auf den Einsatz im Arco vor. „Einige Kleinigkeiten habe ich nachträglich ergänzt“, erwähnt André seinen Beitrag zur Technik des 117 PS starken Fahrzeugs. Vor allem spürt man es im Anzug aus dem tiefen Drehzahlkeller, wie der gepushte Motor anpackt. Erst bei ungefähr 160 km/h gewinnt der Luftwiderstand die Übermacht. So schnell in einem so tiefen Bus? Gut, über die Tiefe müssen wir wirklich reden. Die Vorderachse stammt aus England. Kombiniert mit Tieferlegungsachsschenkel von Bugwelder erreicht der Bus eine  gerade noch fahrbare Tiefe. An der Hinterachse wurde um zwei Zähne in Verbindung mit verstellbaren Drehstabschwertern von Creative Engineering tiefergelegt. Rundum kommen rote Koni-Dämpfer zum Einsatz. Nach zwei Jahren mit aufgeschweißten Originalfelgen fand er endlich seine Traumfelge „South African Sprint Stars“ in 4,5 und 5,5x14 Zoll, deren Verbreitung in Deutschland sich nur auf sehr wenige Fahrzeuge beschränkt. Die Weite des Raums im hinteren Radhaus beschränken 10mm Distanzscheiben. Auf dem Weg zum Maikäfertreffen nach Hannover sah André die rote Kelle der grünen Faktion. Der Jüngere der beiden Polizisten verlangte das Fahrtenbuch und wunderte sich über das Ziel Hannover. Erst nach telefonischer Klärung erhielt André die Papiere zurück. Derweilen hatte der ältere Polizist Fotos vom Arco geschossen. „Mein Enkelsohn fährt auch T2 den muss ich ihm unbedingt zeigen“ begründete er die Aufnahmen. Es gibt eben auch positive Erfahrungen mit den Hütern des Gesetzes.




VW Scene Facts

Von: Text und Fotos: Michael Kolb

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