Samba Dragster



Import aus Brasilien mit Dragstererfahrung -  VW 1600 Variant

Während seines Brasilienbesuchs zusammen mit Oldtimerfreund Michael und seiner Freundin Simone kaufte Marc Pointinger unter anderem diesen Volkswagen Variant 1600. Dem Kombi sieht man nicht an, was in ihm steckt. Dank seines getunten 2,1 Liter Boxers galt er als Star auf dem Dragstrip

Auch eingefleischte Opels Fans schielen gerne mal zur Seite. Marc, Besitzer eines Kadett D GT/E und C Coupé, fand Gefallen an einem T1 Bus. Beruflich ist der selbstständige Elektromeister sowieso mit Transporter unterwegs, also warum nicht auch privat. Die Begeisterung für alte Volkswagen nahm ihren Lauf und bei einem Clubabend lernte er Michael Mösinger von den „Freunden Historischer Fahrzeuge Bayreuth“ kennen. Mit weiteren Bastlern zogen Marc und Michael in eine Gemeinschaftshalle ein und schmiedeten Pläne rund um Beschaffung von Oldtimer. „Was wird eigentlich in Brasilien angeboten?“ Recherchen im weltweiten Netz brachten einige Exoten zum Vorschein, die das Interesse weckten. Der gelbe Variant hatte es Marc angetan. Nachtaufnahmen an einen Drag-Strip, garniert mit knackigen Brasilianerinnen, machten die Sache umso interessanter. Seine spontane Entscheidung: „Ich fliege mit“ war die logische Konsequenz. Die Begegnungen mit brasilianischen Oldtimerfreunden waren gastfreundlich und herzlich. Smalltalk in gebrochenem Englisch und portugiesischen Wortfetzen, von Händen und Füßen unterstützt, erweiterten die Kontakte. Der Variant parkte in einem Autohaus. Auf Grund mangelnder Nachfrage bewegte sich  der Preis in einem unschlagbar günstigen Bereich. Eiligst wurde der Besitzer, der Neffe des bekannten Brasilianischen Künstlers Bittencourt zum Verkaufsgespräch herbeigerufen und ziemlich schnell konnte der Kauf mit Hilfe des in Brasilien notwendigen Treuhänders in trockene Tücher eingewickelt werden. Zum Dank kutschierte der Vorbesitzer Marc und seine Begleiter zu seinem Onkel, der unter anderem die Lufteinlässe des Variants geschmiedet hatte. Bei 38 Grad und 80% Luftfeuchtigkeit schweißte dieser gerade eine monströse Skulptur, freilich nicht ohne zu vergessen darauf hinzuweisen, dass er für Ayrton Senna vor vielen Jahren ein Formel I Modell geschmiedet hat.

„Der Variant ist nicht als Alltagsauto bestimmt“ betont Marc, der sich aus zeitlichen Gründen  bisher noch nicht um eine Verifizierung beim TÜV gekümmert hat. Es besteht die Gefahr, dass für die Zulassung einige Dinge geändert werden müssten, die den brasilianischen Charakter des „Volkswagen do Brasil Tipo 105“ beeinträchtigen würden. Der in Brasilien auf ungefähr 130 PS getunte Typ3 könnte die Hürde schaffen. Den ursprünglichen 1588 ccm Vierzylinder Boxer wuchtete ein Tuner aus Sao Paulo durch größere Zylinder, Mahle Übermaß-Schmiedekolben und bearbeitete Köpfe auf knapp 2,1 Liter. „Tuningteile sind in Brasilien wesentlich teurer und schwieriger zu beschaffen als bei uns“, berichtet Marc. Dennoch wurden Pauter-Pleuel, SCAT-Kurbelwelle und eine MSD-Zündanlage verbaut, weil der Variant auf der  „Meile“ sein Können zeigen musste. Der Krach des Fahrzeugs ist phänomenal. Das Ansauggeräusch der 45er Weberanlage wird bei Durchtreten des Gaspedals von einer brachialen Sao-Paulo Auspuffanlage übertönt. Der Motor bringt 6000 Touren. Wegen der hohen Verdichtung knallt die Maschine einen unglaublichen Druck durch das Endrohr und fegt wie ein Laubbläser Staub und Blätter beiseite. „Der Auspuff müsste auf jeden Fall für den TÜV geopfert werden“ meint Marc und fährt fort, dass Kleinigkeiten wie Scheinwerfer und die fehlende Warnblinkanlage ebenfalls noch nicht dem deutschen Standard entsprechen.

Der Variant kommt bei Volkswagen-Fans gut an, sogar bei Oldtimertreffen. Die mit den üblichen Maßnahmen erreichte Tiefe betont in Verbindung mit Fuchs Replikas den Eindruck eines klassisch getunten Volkswagens. Der Blick auf das Cockpit verdeutlicht den einstigen Sinn und Zweck des Fahrzeugs. Die an der Mittelkonsole angebrachte  Sammlung an Zusatzinstrumenten dient einzig dem Wohl der Maschine. Wie ernst man es in Brasilien mit dem Drag-Variant genommen hat, veranschaulicht der Racing-Computer mit Shift-Light und einstellbaren Drehzahlbegrenzer. Und dennoch bevorzugte der brasilianische Pilot die originalen Ledersitze ohne Kopfstützen sowie das originale Lenkrad. Das eigentlich unnötige  Cassettenradio ist ebenfalls eine Hommage an die Originalität des Fahrzeugs, bereits im Leerlauf eigentlich ist von Musik kaum was auszumachen. Noch wird der Brasilianer nur mit Händlerkennzeichen auf öffentlichen Straßen bewegt. Doch irgendwann soll er  seine offizielle Zulassung erhalten. Hoffentlich ohne größere Einbusen seiner brasilianischen Performance.


VW Scene Facts

Von: Text & Fotos: Michael Kolb

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