Quintessenz!


Es gibt Typen, denen man ihr Alter nie ansehen wird. Einer dieses Schlages ist der Porsche Boxster. Im Wesentlichen an die IAA-Studie von 1993 angelehnt, feierte der Typ 986 – so die werksinterne Bezeichnung – vor rund 20 Jahren sein Debüt. Die offizielle Markteinführung erfolgte 1996. Folglich kratzt der fesche Zweisitzer bereits energisch an den Toren zum Youngtimer-Status. Was eine alte Glaubensfrage in eine neue Dimension erhebt: wer ist der bessere Porsche Klassiker, Elfer oder Boxster? Für den Porsche-Enthusiasten Frank Scheurer steht die Antwort seit langem fest…
Nur wenige Karosserieformen begeistern Autofans selbst Jahre nach deren Geburt. Eines der bekanntesten Beispiele ist der Porsche 911. Doch er ist nicht allein auf weiter Flur. Seit Mitte der 1990er stellte ihm Porsche eine mitunter ebenbürtige Design-Ikone zur Seite: den zweisitzigen Mittelmotorsportwagen Porsche Boxster. Erstmals auf der IAA 1993 vorgestellt, überzeugte der Designentwurf aus der Feder von Harm Lagaay auf Anhieb. Aus gutem Grund: Schließlich orientiert sich die Linienführung des Boxster an den legendären Porsche-Klassikern der 1950er-Jahre.
Es gab gleichwohl auch hier die typischen Kritiker. Ihres Zeichens eingefleischte Elfer-Fahrer, die im Boxster keinen wirklichen Konkurrenten sahen. Was in puncto Performance anfangs – zumindest bei der Basisversion mit etwas über 200 PS – durchaus zutreffend sein mag. Jene Kritik ist gleichwohl nur die halbe Miete. Schließlich wusste der sauber austarierte Mittelmotor-Bolide Boxster durchaus auch in der kleinen Version mit reichlich Fahrspaß zu punkten; zum Erstaunen manches Elfer-Piloten.
„In diese Reihe muss ich mich, um ehrlich zu sein, auch einordnen“, gesteht Frank Scheurer und fügt hinzu: „Zumindest anfangs!“. Als Grund für seine einschränkende Aussage führt Frank ein Erlebnis vor mittlerweile 15 Jahren an. „Ach was, noch länger!“, winkt er ab. „Die eigentliche Geschichte meiner Auto-Leidenschaft beginnt vor einer gefühlten Ewigkeit. Ich hege eine ausgeprägte Leidenschaft für außergewöhnliche und nicht ganz serienmäßige Autos, solange ich Auto fahre. Also seit Mitte der 1980er“.
Damals hörten Franks favorisierte Fortbewegungsmittel auf altbekannte Namen wie Ford Escort Mk. I, alias „Hundeknochen“, oder Ford Capri. „Später war dann auch ein Audi dabei“, gibt Scheurer schmunzelnd zu Protokoll. „Mein absoluter Traumwagen wäre jedoch ein Porsche 911 gewesen“. Anfangs schwebte Frank das klassische G-Modell vor. Gegen Ende der Neunziger schlug sein Herz indes für den damals aktuellen Porsche 911 der Generation 996. „Mit so einem Auto hatte ich seinerzeit sogar schon eine Probefahrt im Porsche-Zentrum vereinbart“, blickt er zurück. „Damit nahm meine Porsche-Geschichte ihren Lauf - und das anders als erwartet“. Hintergrund: Durch einen Fehler bei der Terminplanung war der Elfer am gewünschten Tag nicht verfügbar. Eine Enttäuschung für Frank. Aber kein Grund zur Aufregung, wie er zu berichten weiß. „Der Porsche-Verkäufer war untröstlich und sehr bemüht“, blickt Scheurer zurück. „Er bot mir als kleine Entschädigung eine ausgedehnte Tour mit dem damals ebenfalls brandneuen Boxster S an. Auf diese Weise hatte ich den Weg zumindest nicht umsonst gemacht“.
Das Angebot zur Wiedergutmachung sollte ungeahnte Folgen haben. Die Testrunde im Boxster S beeindruckte Frank dermaßen, dass er sich auf Anhieb in den Mittelmotorsportwagen aus Zuffenhausen verliebte und der Elfer auf dem gedanklichen Abstellgleis landete. „Nachdem ich wenig später auch den Elfer für eine Probefahrt entführen durfte, stellte ich fest, dass der Boxster S das bessere Auto mit größerem Fun-Faktor ist“, fasst er zusammen.
Die Konsequenz jener Probefahrt liegt auf der Hand. „Ich habe mir einen Boxster gekauft“, bestätigt Scheurer grinsend, „allerdings mit einem kleinen Umweg. Anfangs hatte ich einen Kaufvertrag für den Vorführwagen unterschrieben. Da dieser auf den zweiten Blick etwas karg ausgestattet war, bin ich nach Abstimmung mit dem Verkäufer vom Kaufvertrag zurückgetreten und habe beim gleichen Verkäufer einen brandneuen Boxster S mit allen Extras der Sonderausstattungsliste bestellt“. Die Auslieferung des 2001 bestellten Sportwagens erfolgte pünktlich zur Sommersaison 2002. „Mein erster eigener und vor allem fabrikneuer Porsche“, schwärmt Frank noch heute vom Moment der Fahrzeugübergabe. „Ein tolles Erlebnis!“.
Ungeachtet des „Schmetterlinge-im-Bauch-Gefühls“ bei der Auslieferung gebot es Franks Vergangenheit, dass auch der Boxster personalisiert werden musste. Nachdem Scheurer den Porsche einige Monate im Auslieferungszustand bewegt hatte, begann er mit der Planung und Umsetzung eines umfangreichen Optik- und Technik-Pakets für das Zuffenhausener Sportgerät. Mit beeindruckendem Resultat. Zum Beispiel bei der Wahl der auffälligen Rad-Reifen-Kombination. Anstelle der Porsche-Alus rotieren seit geraumer Zeit dreiteilige LM-Räder namens „DynamicSpeed Concave Forged“, geschmiedet im Format 9 und 11 x 18 Zoll, in den Radhäusern des Roadsters. Das Besondere daran: ihre an die klassische Fuchs-Felge angelehnte Formensprache.
Wer Frank Scheurer kennt, wird selbstredend ahnen, dass es der Tuning-Guru nicht allein bei einem Satz größerer Räder belassen hat. Auch die Karosserie des Boxsters ist – wenn auch dezent – verfeinert worden. Zum Umfang des Scheurer-Optikpakets zählen hier unter anderem eine Frontschürze vom 911 GT3 inklusive Cup-Spoilerlippe, Seitenschweller des Aerokit II, Klarglas-Seitenblinker, eine geschwärzte dritte Bremsleuchte, modifizierte Scheinwerfer und Rückleuchten im Stil des 987.
Doch damit nicht genug: Zum eigentlichen Highlight kommt Frank nach eigener Aussage unter dem Blech seines Porsches. Stichwort 6-Zylinder-Boxer. Das wassergekühlte Triebwerk erhielt eine größere Drosselklappe, einen modifizierten Ansaugtrakt und eine Optimierung der Motor-Software. Hierzu gesellte sich eine Edelstahl-Abgasanlage, speziell für Scheurers Boxster angefertigt, sowie ein Fächerkrümmer, ein 200cpsi-Sportkatalysator sowie ein Endschalldämpfer mit Endrohren im Format 2 x 100 x 90 mm. „Alles in allem mobilisiert der Motor somit etwa 304 PS“, fasst Frank stolz das Ergebnis zusammen.
Damit diese noch knackiger um die Ecken gewuchtet werden können, setzt Frank Scheuer überdies auf die Nachrüstung von Motorsport-Komponenten à la Rennkupplung, Einmassen-Schwungrad oder Schaltwegverkürzung. Nicht zu vergessen: das nachhaltig gestraffte Fahrwerk. Eine perfekt abgestimmte Mixtur aus einem DynamicSpeed-Fahrwerk (Sonderanfertigung seitens H&R inklusive verstärkten Stabilisatoren) sorgt neben einer besseren Straßenlage für den wahnwitzigen (Karosserie-) Tiefgang von 110 Millimetern an der Vorder- und Hinterachse.
Den absoluten Zubehör-Überfluss genehmigte sich Frank letztlich bei der Ausgestaltung des Boxster-Kommandostands. Die Porsche-Volllederausstattung, werksseitig in Schwarz gehalten, mit Alu-Interieurpaket, Edelstahl-Einstiegsleisten, teilelektrischen Sportsitze und Porsche-Wappen auf den Kopfstützen sowie Überrollbügel in Alu-Silber ist um reichlich Leder und Ziernähte erweitert worden. Da die Aufzählung sämtlicher Gimmicks zweifelsohne den Rahmen sprengen würde, wollen wir uns auf die wesentlichen Aspekte beschränken. Etwa das 320er-Airbag-Sportlenkrad in schwarzem Nappaleder mit Echt-Carbon Segmenten, gekonnt platzierte Sicht-Kohlefaser-Elemente, ein 996 GT2 Kombiinstrument (Tachoscheiben Alu-Silber, Frontrahmen in Silber vom Carrera GT, Tachoringe Edelstahl hochglanzpoliert) oder Alupedale nebst Fußstütze und Einstiegsleisten aus Edelstahl. Nicht zu vergessen: die schicken schwarzen Velours-Fußmatten mit farbigem Stick und Einfassung in Nubukleder.
„In den letzten Jahren hat sich einiges am Auto getan“, bringt es Frank gekonnt auf den Punkt: „Und nicht nur das. Die für den Umbau aufgebrachte Energie zahlte sich nicht nur beim Look meines Autos aus. Während der Arbeiten bin ich mehrfach von Freunden und Bekannten angesprochen worden. Sie meinten: „Warum machst du dich mit deinem Hobby nicht selbständig? Mit diesem Gedanken hatte ich mich bis dato eigentlich noch nie befasst“. Was sich alsbald ändern sollte: Noch während der Arbeiten an seinem Boxster stellte Frank sich mit dem Label „Dynamic Speed“ auf eigene Beine.
„Was mich heute zu dem Fazit bringt: Die Entscheidungen für den Boxster vor nunmehr 15 Jahren und der daran anschließende Umbau waren in vielerlei Hinsicht zwei der besten Ideen meines Lebens“, resümiert Scheurer. „Einerseits habe ich meinen Traum-Boxster auf die Räder gestellt. Auf der anderen Seite hat sich hierdurch eine tolle Geschäftsidee ergeben, bei der ich Hobby und Beruf miteinander kombinieren kann“. Wenn das keine gelungene Quintessenz und eines der schönsten Komplimente für den Porsche Boxster ist…!



Tech Facts
Marke: Porsche
Typ: Boxster S (986)
Baujahr: 2001
Karosserie: Selbsttragend, Stahlblech, ausfahrbarer Heckspoiler. Modifikationen: Frontschürze vom 911 GT3 mit Cup-Spoilerlippe (PU-RIM), Steinschlag-Schutzgitter, Seitenschweller (PU-RIM) von Aerokit 2, Klarglas-Seitenblinker, 3. Bremsleuchte schwarz, Litronic-Scheinwerfer mit Reinigungsanlage, orangefarbene Streuscheiben entfernt, Rückleuchten modifiziert im Stil des 987, Colorverglasung (Frontscheibe mit Grünkeil)
Karosseriebauweise: Cabriolet, 2 Türen
Werkslackierung: Schwarz
Motor: 6-Zylinder-Boxer, größere Drosselklappe, modifizierter Ansaugtrakt, optimierte Software
Hubraum: 3.179 ccm
Bohrung: 93,0 mm
Hub: 78,0 mm
Verdichtung: 11,0:1
Ventilsteuerung: 4-Ventile pro Zylinder, 2 Nockenwellen je Zylinderbank, automatischer Ventilspielausgleich
Gemischaufbereitung: elektronisch
Abgasanlage: Edelstahl-Abgasanlage (Einzelanfertigung), Fächerkrümmer, 200cpsi-Sportkatalysator, Endschalldämpfer Race-Version mit Endrohre im Format 2 x 100 x 90 mm
Leistung: ca. 304 PS
Antrieb: 6-Gang-Schaltgetriebe, Sachs Rennkupplung, Einmassen-Schwungrad (5,4 kg), B&M Schaltwegverkürzung
Vorderachse: McPherson-Federbeine, Querlenker, Gewindefahrwerk DynamicSpeed (Sonderanfertigung von H&R) Tieferlegung – 110 mm, verstärkter Stabilisator
Hinterachse: McPherson-Federbeine, Querlenker, Gewindefahrwerk DynamicSpeed (Sonderanfertigung von H&R) Tieferlegung – 110 mm, verstärkter Stabilisator
Bremsanlage: hydraulisch betätigtes Zweikreis-Sicherheitssystem, innenbelüftete Stahl-Bremsscheiben rundum, ABS, Stahlflex-Bremsleitungen, ATE Blue–Racing Fluid
Räder: dreiteilige LM-Räder „DynamicSpeed Concave Forged“, geschmiedet (Typ DS5.1 in RSR-Finish), 9 und 11 x 18 Zoll
Reifen: 225/40 ZR 18 und 265/35ZR 18
Interieur: Porsche-Volllederausstattung (schwarz), Alu-Interieurpaket groß, Edelstahl-Einstiegsleisten, Sportsitze (teilelektrisch) mit Porsche-Wappen auf den Kopfstützen, Sitzheizung, Überrollbügel in Alu-Silber, Verkleidung Nappaleder schwarz, Windschott, Alarmanlage mit Infrarotüberwachung, 320-mm-Airbag-Sportlenkrad in Nappaleder schwarz mit Echt-Carbon-Segmenten schwarzmatt, A-Säulenverkleidung in Nubukleder schwarz, Sonnenblenden Nappaleder schwarz, Defrosterblenden beidseitig mit Nappaleder schwarz und Ziernaht silbergrau, Defrosterblenden oben mit Nappaleder schwarz und Ziernaht silbergrau, Defrosterblende mittig mit Nappaleder schwarz in Carbon-Optik, Zündschloss-Rosette mit Nappaleder schwarz und Carbon-Optik, Spiegeldreiecke Nappaleder schwarz, Deckel Türablagefach sowie Abdeckung Türöffner mit Nappaleder schwarz und Carbon-Optik, Zuziehgriffe Nappaleder schwarz in Carbon-Optik mit Ziernaht silbergrau, Armaturenhutze Nappaleder schwarz mit Ziernaht silbergrau, Rahmen Kombiinstrument Nubukleder schwarz, 996 GT2 Kombiinstrument (Tachoscheiben Alu-Silber, Frontrahmen in Silber vom Carrera GT, Tachoringe Edelstahl hochglanzpoliert), Schaltstulpe und Mittelkonsole Nappaleder schwarz in Carbon-Optik mit Ziernaht silbergrau, Abdeckung Sicherungskasten Nappaleder schwarz in Carbon-Optik, Alupedale sowie Fußstütze und Einstiegsleisten aus Edelstahl, smartTop Verdecksteuerung, Velours-Fußmatten schwarz mit farbigem Stick und Einfassung in Nubukleder schwarz
Hifi: Becker Traffic-Pro-Highspeed mit CD-Wechsler, Bose Soundsystem, Telefonvorbereitung-Freisprecheinrichtung
Leergewicht: k.A.
Beschleunigung 0-100 km/h: < 6 s.
Höchstgeschwindigkeit: über 270 km/h

Von: Text: Marc Timmer, Fotos:D.Fourcade

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